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Anweiden beim Pferd: 4-Wochen-Plan und 10 Tipps

Aktualisiert am 25.10.20268 Min. Lesezeit
Anweiden oder Angrasen beim Pferd ist mit diesen Tipps leicht, schnell und dein Pferd bleibt gesund!

„Warum dürfen die Pferde denn nur so kurz raus?“, hat uns die kleine Mia beim Rausstellen gefragt. Wir haben es so erklärt: Stell dir vor, du hast den ganzen Winter nur Knäckebrot gegessen und darfst plötzlich alle Süßigkeiten der Welt essen. Genau so fühlt sich das erste Gras für dein Pferd an. Die Bauchschmerzen kämen bei ihm genauso.

Beim Anweiden gewöhnst du dein Pferd über etwa vier Wochen langsam an frisches Gras. Du startest mit sehr kurzen Weidezeiten und steigerst die Zeit Schritt für Schritt, damit sich der Darm umstellen kann. Zu schnelles Anweiden kann Durchfall, Kotwasser, Koliken und Hufrehe auslösen. Pferde mit Übergewicht, EMS, Cushing oder früherer Hufrehe weidest du nur nach Absprache mit deinem Tierarzt an.

Das tust du jetzt

  1. Weide prüfen: Zaun, Wasser, Giftpflanzen, herumliegender Müll.
  2. Plan festlegen: Lade dir unseren kostenlosen 4-Wochen-Anweideplan herunter und trag die Zeiten ein. Häng ihn an die Boxentür und sag allen im Stall Bescheid.
  3. Vor jedem Weidegang Heu füttern, damit dein Pferd nicht mit leerem Magen ins Gras geht.
  4. Kraftfutter reduzieren, solange dein Pferd frisches Gras bekommt.
  5. Jeden Tag beobachten: Kot, Fressverhalten, Hufe. Bei Auffälligkeiten die Zeit verkürzen statt steigern.

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Sofort Tierarzt: Dein Pferd will nicht laufen, steht mit nach vorn gestellten Vorderbeinen, die Hufe sind warm oder du spürst eine deutliche Pulsation an der Fessel (Verdacht auf Hufrehe). Oder es hat wässrigen Durchfall und wirkt matt. Oder es zeigt Kolikzeichen wie Scharren, Wälzen oder Umschauen zum Bauch. Kolik erkennen

Heute anrufen: Durchfall. Dein Pferd frisst schlecht. Weicher Kot oder Kotwasser wird trotz kürzerer Weidezeit nicht besser.

Beobachten: etwas weicherer, grünerer Kot in den ersten Tagen bei einem munteren Pferd. Steigere die Zeit dann erst, wenn der Kot wieder normal ist. Wird es nicht besser, gilt Gelb.

Warum müssen Pferde an das Gras gewöhnt werden?

Im Darm deines Pferdes arbeiten unzählige Mikroorganismen. Sie sind auf das Futter eingestellt, das dein Pferd gerade bekommt. Im Winter ist das vor allem Heu. Junges Gras im Frühjahr ist ganz anders zusammengesetzt: Es enthält viel Eiweiß, viel Zucker und weniger Fasern.

Die Darmflora braucht Zeit, um sich darauf umzustellen. Kommt zu viel Gras auf einmal, gerät sie aus dem Gleichgewicht. Dann kann es zu Fehlgärungen kommen. Die Folgen reichen von weichem Kot über Kotwasser und Durchfall bis zur Kolik. Außerdem kann eine plötzlich hohe Aufnahme von Zucker eine Hufrehe auslösen, besonders bei Pferden mit Stoffwechselproblemen.

Pferd mit Fliegenfransen am Halfter grast auf einer frischen Frühlingsweide

Anweiden beim Pferd: ganz einfach mit diesen Tipps!

Wie lange dauert das Anweiden?

Plane etwa vier Wochen ein. In unserem 4-Wochen-Anweideplan trägst du die Zeiten ein, die du mit deinem Tierarzt besprichst, und hakst jeden Tag ab. Frag deinen Tierarzt, welches Tempo zu deinem Pferd passt.

Woche Weidezeit Worauf du achtest
1. Woche einmal am Tag, nur sehr kurz vorher Heu, Kot jeden Tag ansehen
2. Woche einmal am Tag, etwas länger Kraftfutter reduziert lassen
3. Woche zwei kurze Weidegänge am Tag weiter Heu anbieten, Hufe kontrollieren
4. Woche zwei längere Weidegänge am Tag danach schrittweise zum normalen Weidealltag

Wie viele Minuten genau, besprichst du am besten mit deinem Tierarzt. Das Tempo richtet sich nach deinem Pferd. Wenn dein Pferd das Gras regelrecht verschlingt, geh langsamer vor. Wenn es mehr spielt als frisst, kannst du etwas schneller steigern. Bekommt dein Pferd weichen Kot, bleib bei der letzten Zeit oder geh einen Schritt zurück, bis der Kot wieder normal ist. Lieber eine Woche länger anweiden als eine Kolik riskieren.

Nach einer Nacht mit Frost lässt du den Weidegang lieber ausfallen. Warum, erklären wir dir weiter unten.

Pssst: Im Anweideplan zum Ausdrucken kannst du jeden Tag abhaken und notieren, was dir auffällt. Wenn es Probleme gibt, zeigst du deinem Tierarzt alles auf einen Blick. Und im nächsten Jahr nimmst du einfach wieder dieselbe Vorlage.

Was ist Fruktan und warum ist das Wetter so wichtig?

Gras bildet bei Sonnenlicht Zucker. Einen Teil davon verbraucht es zum Wachsen, den Rest speichert es, unter anderem als Fruktan. Wächst das Gras wenig, weil es kalt oder trocken ist, sammelt sich besonders viel Zucker an. Das gilt besonders bei starker Sonne. Das ist vor allem so bei:

  • kalten Nächten mit Frost und sonnigen Tagen, typisch im Frühjahr und Herbst,
  • Trockenheit,
  • stark abgefressenen oder überweideten Flächen.

Zu viel Zucker auf einmal kann bei empfindlichen Pferden eine Hufrehe auslösen. Fruktan ist dabei nur ein Teil des Zuckers im Gras. Nicht jede Rehe hat mit dem Gras zu tun. Die Faustregeln für dich:

  • Nach einer Frostnacht und an kalten, sonnigen Tagen: Weidegang ausfallen lassen oder deutlich verkürzen. Gerade morgens kann das Gras dann besonders viel Fruktan enthalten.
  • Rehegefährdete Pferde lässt du an sonnigen, kalten Tagen mit Nachtfrost am besten gar nicht aufs Gras.
  • Kurz abgefressene Weiden sind nicht automatisch sicher. Auch dort kann das Gras viel Zucker enthalten.

Was musst du beachten, bevor dein Pferd auf die Weide darf?

Schau dir die Weide zuerst genau an:

  • Wachsen dort Giftpflanzen, etwa Jakobskreuzkraut, Herbstzeitlose oder Bergahorn am Rand?
  • Liegen spitze Gegenstände, Draht oder Müll herum?
  • Ist der Zaun ganz und unter Strom?
  • Gibt es genug sauberes Wasser?
  • Gibt es Schatten und Schutz vor Wind?
  • Wie schützt du dein Pferd vor Insekten, zum Beispiel mit Fliegenmaske oder Fliegendecke?

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10 Tipps zum gesunden Anweiden

1. Langsam anfangen

Starte mit sehr kurzen Weidezeiten und steigere in kleinen Schritten, wie im Plan oben. Beobachte dein Pferd dabei genau.

2. Vorher Heu füttern

Biete vor dem Weidegang reichlich Heu an. So geht dein Pferd nicht ausgehungert auf die Koppel und schlingt weniger Gras. Nach dem Weidegang gibt es wieder Heu.

3. Kraftfutter reduzieren

Junges Gras ist energiereich. Kommt noch viel Kraftfutter dazu, steigt das Risiko für Fehlgärungen im Darm. Reduziere das Kraftfutter deshalb in der Anweidezeit. Was dein Pferd braucht, hängt von Arbeit und Figur ab. Frag im Zweifel deinen Tierarzt.

4. Bewegen vor dem ersten Weidegang

Die Freude ist riesig, wenn es das erste Mal wieder auf die Weide geht. Bocksprünge sind dann keine Seltenheit. Bewege dein Pferd vorher etwas, zum Beispiel an der Hand oder auf dem Platz. Das nimmt den ersten Übermut und senkt das Verletzungsrisiko.

5. Immer Wasser bereitstellen

Auf der Koppel muss jederzeit sauberes Wasser zur Verfügung stehen. Prüf vor dem ersten Weidetag, ob die Tränke funktioniert.

6. Das Gras gut anwachsen lassen

Lass dein Pferd nicht auf die ersten grünen Spitzen. Gib der Weide im Frühjahr Zeit, gut anzuwachsen. Je nach Region und Wetter ist das oft im April oder Mai so weit.

7. Aufs Wetter achten

Nach einer Frostnacht lässt du den Weidegang lieber ausfallen oder verkürzt ihn deutlich. Rehegefährdete Pferde lässt du an kalten, sonnigen Tagen gar nicht aufs Gras.

8. Kotprobe im Frühjahr

Früher hieß es: Vor dem Anweiden gibt es eine Wurmkur. Heute lässt du besser eine Kotprobe untersuchen und entwurmst nur bei Befund. So geht zeitgemäßes Entwurmen

9. Gegen Insekten wappnen

Fliegenmaske, Fliegendecke oder ein verträgliches Spray machen die Weidezeit für dein Pferd angenehmer, auch wenn noch kaum Insekten fliegen.

10. Beobachten und anpassen

Dein Pferd schlingt das Gras? Weidezeit verkürzen. Es spielt mehr, als es frisst? Dann kannst du etwas verlängern. Weicher Kot, Kotwasser oder eine Veränderung am Huf? Zeit zurücknehmen und bei Bedarf den Tierarzt fragen. Was der Kot dir verrät

Grafik: Die 10 besten Tipps zum gesunden Anweiden mit kostenlosem Plan, Pony mit Fliegenfransen grast

Wie weidest du dicke oder kranke Pferde an?

Manche Pferde vertragen frisches Gras deutlich schlechter. Dazu gehören:

  • Pferde mit Übergewicht,
  • Pferde mit EMS (Equines Metabolisches Syndrom) oder Cushing (PPID),
  • Pferde, die schon einmal Hufrehe hatten,
  • viele Ponys und robuste Rassen, die mit wenig Futter auskommen.

Für sie gilt: deutlich langsamer anweiden und kürzere Zeiten. Manchmal ist freies Grasen gar keine gute Idee. Eine Fressbremse oder eine kleine, abgeteilte Fläche können helfen. Besprich den Plan für diese Pferde unbedingt mit deinem Tierarzt. Du kannst seine Zeiten direkt in unseren 4-Wochen-Plan eintragen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert das Anweiden beim Pferd?

Plane etwa vier Wochen ein. Du startest mit sehr kurzen Weidezeiten und steigerst Schritt für Schritt. Wie lange genau, besprichst du am besten mit deinem Tierarzt. Bei dicken Pferden, Ponys oder Pferden mit Stoffwechselproblemen dauert es länger, nach Absprache mit dem Tierarzt.

Ab wann darf mein Pferd 24 Stunden auf die Weide?

Erst wenn dein Pferd den Anweideplan ohne Probleme geschafft hat und mehrere Stunden am Stück gut verträgt. Steigere dann weiter in Schritten. Für rehegefährdete Pferde ist Weide rund um die Uhr oft nicht geeignet.

Warum soll mein Pferd nach Frost nicht morgens auf die Weide?

Nach kalten Nächten mit sonnigen Tagen speichert das Gras viel Zucker, unter anderem als Fruktan. Zu viel davon kann bei empfindlichen Pferden eine Hufrehe auslösen. Lass den Weidegang an solchen Tagen deshalb lieber ausfallen, bei rehegefährdeten Pferden immer.

Muss ich anweiden, wenn mein Pferd im Winter auf der Weide stand?

Auch auf der Winterweide frisst ein Pferd kaum frisches Gras. Wenn im Frühjahr das Wachstum losgeht, ändert sich das schnell. Steigere die Zeit auf jungem Gras deshalb trotzdem langsam.

Brauche ich beim Anweiden ein Zusatzfutter?

In der Regel nicht. Wichtig sind Heu vor und nach dem Weidegang und weniger Kraftfutter. Ob dein Pferd etwas zur Unterstützung braucht, klärst du mit deinem Tierarzt.

Was tun, wenn mein Pferd beim Anweiden weichen Kot bekommt?

Geh mit der Weidezeit einen Schritt zurück und biete mehr Heu an. Wird der Kot trotz kürzerer Weidezeit nicht besser, bekommt dein Pferd Durchfall oder wirkt es matt, ruf deinen Tierarzt an.

Weiterführende Links

Gratis: Anweideplan und Notfallmappe

Trag dich ein, dann schicken wir dir beides als PDF zum Ausdrucken.

Mit deinem Klick auf den Knopf willigst du ein, dass wir dir das PDF, die Mappe und danach ab und zu Mails mit Erste-Hilfe-Tipps schicken. Eingetragen bist du erst, wenn du den Link in unserer Bestätigungsmail anklickst. Abmelden geht jederzeit mit einem Klick. Der Versand läuft über Brevo, Brevo erfasst dabei technisch, ob eine Mail geöffnet und ein Link angeklickt wird. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.

Passt dazu

Dieser Beitrag ersetzt keinen Tierarzt. Im Zweifel immer anrufen.